Vätternrundan 2009 Reisebericht PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Toms   
Mittwoch, den 03. Juni 2009 um 21:36 Uhr

Vätternrundan 2008 Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. hat wieder einen Reisebericht über seine Teilnahme am größten Fahrrad-Trimm-Dich-Rennen der Welt geschrieben. An einem Tag ging's rund um den schönen Vätternsee mit Start und Ziel in Motala/Schweden.

 

 

 

 

Vätternrundan 2009

Ein Reisebericht über die größte Amateurfahrradtour der Welt rund um den schönen Vätternsee (300km) mit Start und Ziel in Motala/Schweden

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hallo, da bin ich wieder!

Dass ich mich für die Vätternrundan 2009 anmelden muss bzw. will entscheidet sich eigentlich schon direkt nach der 2008er Veranstaltung.

Ralf, der letztes Jahr die 300km mit dem Mountainbike gefahren ist, hat schnell erkannt: „ich brauche ein Rennrad!“. Also müssen wir da wieder hin.

 

Je mehr ich über die Vätternrundan schwärme, desto mehr Kollegen haben anscheinend auch Interesse 2009 mitzufahren. Klar, zwischen Interesse und letztendlichem Anmelden liegen natürlich Welten.

Was ja komisch erscheint, das offensichtlich selbst Kollegen mitwollen, die noch nie einer auf einem Fahrrad gesehen hat. Also Fahrradfahren sollte man schon können und 300km sind auch nicht gerade wenig, na ja.

 

Es ist August 2008 und das erste Treffen findet statt, der Besprechungsraum ist voll, mal schauen wer sich alles anmeldet. Wie im letzten Jahr auch, werden wieder die Startgebühren und Klamotten von unserem Arbeitgeber gestiftet.

 

Meinen “BierundBike-Kollegen“ Detti kann ich für die nächste Tour begeistern, er meldet sich sofort an. Er geht sogar noch einen Schritt weiter, er meldet sich auch gleich zum Spinning an, ich natürlich nicht. Ein passendes Fahrrad hat er zwar noch nicht, aber das kann man ja noch kaufen.


In den nächsten Tagen melden sich noch etliche andere Kollegen an, so dass wir schließlich etwa 45 Anmeldungen haben. Viele neue Gesichter bzw. Kollegen sind dieses Mal dabei. Besonders freue ich mich darüber, dass mein Kollege Klaus mit seinen fast 60Jahren auch mitfährt!

 

Es ist jetzt September und wir sind fest in Schweden gebucht.

Neun Monate vorher erscheint ja ein bisschen früh, doch wer gute Startzeiten haben möchte, muss sich früh anmelden. Unsere Startzeit wird wieder 20:30Uhr, das heißt auch, durch die Nacht radeln. Ich persönlich finde das gar nicht so schlecht, dann geht die Zeit schneller um oder ich bilde mir das ein.

 

Wie wir nach Motala kommen ist uns schon klar, es soll wieder mit einem Wohnmobil sein.

Unsere Besatzung steht auch schon fest: Ralf, Detti, Jörg und ich.

Da wir von Schweden auch etwas sehen wollen, planen wir eine ganze Woche zu fahren.

„Ich kenne die Tante in dem Wohnmobilverleih, kein Problem, das mit dem Womo mache ich klar“. Diese Worte kommen von “…“, genützt hat es nichts! Bis der jenige in die Pötte kam, waren die Fahrzeuge schon alle verliehen (Name wird nicht genannt). Ich brauche mich nicht zu entschuldigen, ich war es ja nicht!

 

Wir könnten von einem anderen Verleiher ein 6,50m langes Gefährt bekommen,

könnte für vier Personen ja reichen, würden manche sagen. Aber warum so kurz, wenn es auch ein dreiachsiges, 8,54m langes Riesenwomo sein kann.

„Ich mache das dann mal klar“.

 

Das Training

 

Für das Training habe ich mir eigentlich viel vorgenommen, mehr Kilometer als letztes Jahr sollen es werden. Nun ja, wie soll man das sagen, aber es wird jetzt immer schon so schnell dunkel und auch kalt. Schauen wir mal, was der Winter 2008/2009 uns so bringt.

 

Detti hat sich mittlerweile ein Fahrrad, ein so genanntes “Fitness-Bike“, gekauft.

Dafür ist er extra die 150km nach Bremen gefahren, mit dem Auto natürlich.

Auf ein Fahrrad bin ich schon ein wenig neidisch, das ist Ralf sein neues Karbon-Rennrad von “Simplon“. Eigentlich ist es Ralf sein erstes Rennrad, der hat sonst ja nur Mountainbikes.

 

Soviel ich weiß, sind die anderen schön immer freitags beim Spinning, ich persönlich frier mir lieber beim Training hier draußen den Ars… ab.


Der Winter im letzten Jahr war zwar nass und kalt, jetzt ist er gefroren und kalt, nicht gerade tolle Trainingsbedingungen.

 

Es ist der 14. März, ich habe eine super Erkältung und erst 150km auf der Uhr. Das Trainingsprogramm läuft nicht so gut, aber es sind ja noch ein Paar Monate Zeit!

Kollegen erzählen mir, dass die beim Spinning einen wegen Erschöpfung vom Fahrrad heben mussten, daher kommt bestimmt der Begriff, “Sport ist Mord“.

 

Das Wetter wird langsam wärmer, aber nur langsam. Dieses bringt mir aber nichts, weil ich mit meinen gezogenen Weißheitszähnen und den Nachfolgen fast drei Wochen kein Fahrradfahren darf, super!  

Schon April, ich bin wieder Fit und das Training kann endlich vernünftig beginnen!

Die erste Tour über 100km fahre ich mit Ralf zusammen, meine Kondition ist noch im Keller, aber das kommt noch.

Ach ja, Detti ist in der Zwischenzeit wieder wegen seinem Fahrrad beim Händler in Bremen gewesen, Speichenbruch nach 300km.

Etliche Trainingstage folgen den nächsten. Ich schaffe es sogar einmal bei der Firmentrainingsrunde dienstags mitzufahren.

Anfang Mai geht’s mit “BierundBike“ nach Österreich, einmal den Inn entlang von Innsbruck nach Passau. Die 320km haben wir schon mal wieder auf dem Tacho!

 

Irgendwann fliegen bei Detti wieder die Speichen weg, er fährt wieder nach Bremen, bekommt jetzt aber andere Laufräder.

 

Die Reisevorbereitungen

 

Es ist der Tag gekommen, wir holen unsere Luxusherberge auf sechs Rädern von unseren Wohnmobilverleiher ab. Da gibt’s auch eine ausführlichste Übergabe, inklusive aller technischen Spielereien. So könnten wir zum Beispiel zwei Wochen ohne Stromanschluss völlig autark dank Wasserstoffbrennstoffzelle irgendwo in der Wildnis überleben.

Toll auch die voll automatische, sich selbst ausrichtende 80er Satellitenschüssel oben auf dem Dach. Allein mit diesem tollen Spielzeug werden wir die Kings auf dem Campingplatz sein!

Mit der Tonne Zuladung werden wir schon klar kommen, Bier für eine Woche und vier Fahrräder wiegen ja nicht so viel.


Am nächsten Tag fahren Jörg und ich erst mal die Urlaubsvorräte einkaufen. Getränke werden beim Marktkauf gekauft, den Rest gibt’s im ALDI (das ist hier keine Werbung, wir haben halt da eingekauft).

In unserer vorhergehenden Urlaubsplanungskonferenz hatten wir die “G“Tage und “N“Tage genau festgelegt (Grilltage und Nudeltage), so wissen wir genau wie viel wir kaufen müssen. Nun ja, im Endeffekt kaufen wir dann doch frei Schnauze ein. Die Grillsachen besorgt aber Ralf von einem Schlachter seines Vertrauens.

 

Die Anreise

 

Dienstag der 09. Juni 2009, es ist fünf Uhr früh, regnet und ist dunkel.

Die Reise nach Schweden kann beginnen, ich zirkel das fünf Tonnen Ungetüm vom Hof herunter und fahre zu Jörg. Dort angekommen wird sein Gepäck verstaut und das Selbe passiert dann bei Detti und Ralf. Komplett geht es Richtung Norden, ach ja, die Fahrräder sind natürlich auch mit dabei und es regnet immer noch.

Unterwegs wird die Diskussion über unser Geschwindigkeitslimit entfacht.

Wie schnell darf man eigentlich mit einem fünf Tonnen Reisemobil fahren?

Jörg meint 110km/h, das hat er irgendwo aus dem Internet, ein anderer sagt 120km/h. Ich fahre irgendwas zwischen 110 und 140km/h, schließlich hat der Vermieter mir gesagt, nicht schneller als 150km/h. Was wirklich erlaubt ist, werden wir wohl nie erfahren.    

 

Die große Pause, wie auch im letzten Jahr, findet wieder auf Fehmarn statt. Nachdem wir unserem Fahrzeug seinen verdienten Treibstoff gönnen, gibt es für uns auch ein amerikanisches Mittagessen bei den “Goldenen Bögen“. 

Jörg, der sich anfangs als Fastfoodhasser gibt, weiß spätestens nach seinen zweiten Cheesburger: „Ich will mehr davon“!   

 

Übers Handy erreichen wir Klausi, der ist morgens mit seiner Frau und Womo auf Fehmarn gestartet. Die beiden wollen heute einen Campingplatz in Jönköping im Süden am Vätternsee anfahren, auch unser Ziel.

 

Frisch gestärkt sind die nächsten paar Kilometer bis zur Fähre nach Puttgarden nur noch ein Klacks.

Nachdem wir fälschlicherweise bei den LKW’s in der Warteschlange stehen, winken die Jungs vom Zoll uns wieder zurück. Wir spielen verwirrte Touristen, die wir wahrscheinlich auch sind und stellen uns in die richtige Reihe an. Wenigstens haben die uns nicht gefilzt, die hätten ja sowieso nichts gefunden.

Wo wir schon beim Finden sind, die nette Kassenhäuschendame findet das total toll uns 150€ Fährgebühren abzuknöpfen.


Nach kurzer Wartezeit geht’s schon ab in den Bauch der großen Ostseefähre, hier dürfen wir dann doch wieder bei den LKW’s parken.

 

Nach einer Stunde Fährverbindung “Puttgarden – Rødby“ geht es weiter auf dänischen Autobahnen. Ich kann es mir mittlerweile in der zweiten Reihe gemütlich machen, der Fahrerwechsel war auch nötig, ja das ist Urlaub! Vor Kopenhagen stockt der Verkehr ein wenig, aber wir haben ja heute Zeit.

Wenn es etwas Interessantes über Dänemark zu berichten gäbe, würde ich das hier rein schreiben, aber da war nichts!

 

Schweden

 

Die Fähre von Helsingør nach Helsingborg dauert etwa eine Kaffeelänge und schon sind wir in Schweden. Das „Schloss Kronborg“ spare ich mir diesmal zu fotografieren, das stand ja letztes Jahr auch schon da.

Das schöne an den Schwedischen Autobahnen ist ja, da ist nicht viel Verkehr.

Je weiter man auf das Ländliche kommt, desto weniger wird es.

 

Klausi und Karin sind schon in Jönköping am Vätternsee angekommen, er hat für uns auch schon einen Platz reserviert, so können wir nachher mit den zwei Womo’s zusammenstehen.

Nach etwa 13 Stunden Fahrt empfängt uns Klausi schon am Campingplatzeingang und weist uns unseren Platz zu.

Jetzt haben wir ein Problem, ein Baum steht im Weg und versperrt unserer automatischen Sattelitenschüssel die Sicht. Zum Fernsehschauen sind wir sowieso nicht hier und außerdem ist heute “G-Tag“!

Richtig, wir grillen und so manches alkoholisches Getränk findet seinen Abnehmer. Obwohl es hier nachts echt kalt wir, sitzen wir noch lange draußen, „ein Scheidebecher geht noch…vielleicht auch zwei“!

 

Am nächsten Morgen steht großer Stadtausflug durch Jönköping auf dem Plan. Bis auf einen, dem der vorabendliche Alkohol noch zu schaffen macht, tingeln wir an der Uferpromenade in Richtung Stadtmitte.

Wenn man so auf das Wasser blickt, kann man das Ausmaß vom Vätternsee noch gar nicht richtig einschätzen, von hier sieht er gar nicht so groß aus.


Was ich bis jetzt immer in Schweden beobachten konnte, das die Städte sehr sauber und ordentlich sind. Interessant sind die festen Lagerfeuerstellen am Strand, wo die Stadtverwaltung überall gehacktes Buchenholz hingelegt hat. Also ich weiß nicht wie ihr das seht, aber bei uns würde das Holz innerhalb von Minuten geklaut werden. Sind halt ehrlich die Schweden!

 

Die Innenstadt ist toll, wer mal da vorbei kommt, ruhig anhalten. Mit einer gekauften Fußmatte für unser Womo geht’s am Nachmittag wieder langsam zurück.

Zum Campingplatz zu sagen, er liegt direkt am Vätternsee. Wenn die Steilküste nicht wäre, könnte man sogar ans Wasser gehen, die Aussicht ist aber super.

Die Sanitären Anlagen habe ich schon besser gesehen, war aber in Ordnung.

Mittlerweile ist auch unser Restalkoholkollege wieder unter den lebenden, heute ist übrigens wieder “G-Tag“.

 

Motala

 

Donnerstags morgens beim Frühstückstisch decken fällt auf, das meine zwei Campingstühle weg sind, der Rest steht noch, wenn wir die Sau erwischen!

Ich nehme meine Behauptung zurück, dass die Schweden grundsätzlich ehrlich sind!

Nach dem Frühstück und mit zwei Stühlen weniger geht’s Richtung Motala. Damit es zügig voran geht, nehmen wir die Autobahn, von der man übrigens eine tolle Aussicht auf den See hat. Die richtige Größe vom Vätternsee wird hier erst richtig klar, besonders unseren neuen Mitfahrern. 

Am Nachmittag kommen wir in Motala auf unseren Zeltplatz “Mossen“ an, die anderen Kollegen haben hier schon weitläufig den Platz mit Flatterband abgesperrt.

Vom Minizelt bis Riesenwohnmobil ist hier alles vertreten, die 45Leute plus teilweise Anhang wollen auch irgendwo schlafen.

Der Weg in die Innenstadt ist gut zu Fuß zu erreichen, wir wollen schon mal unsere Startnummern von der Anmeldung holen und eine wenig Shoppen gehen.

Dort angekommen werden wir von einem Straßenumzug mit ganz vielen jungen Leuten, Stimmung und lauter Musik empfangen. Dieses gilt aber nicht uns, das sind die schwedischen Abiturienten, die mit der Schule fertig sind.

Im großen Anmeldungszelt auf dem Marktplatz gibt es auch noch das ein oder andere zu kaufen. Mit zwei neuen Campingstühlen unterm Arm, geht’s wieder zurück zum Zeltplatz.

Manfred, unser Organisator ist mittlerweile auch angekommen, er ist mit seiner Frau und seinem Sohn da.

Das Abendprogramm setzt sich aus Nudelnessen (“N-Tag“), Biertrinken und Begrüßung der restlichen Kollegen zusammen.


Der wichtige Tag

 

Freitag der 12.Juni 2009, der Tag der Entscheidung und heute geht’s ums Ganze!

Klasse, es regnet, der Tag fängt ja gut an, aber spätestens jetzt trennt sich die Spreu vom Weizen. Die einen können im strömenden Regen mit Seitenwind draußen Frühstücken und wir sitzen drinnen in unserem riesigen Wohnmobil und schauen Fernsehen.

Jeder mit einem Regenschirm bewaffnet, geht’s Richtung Innenstadt, Kaffeetrinken, Chillen und vielleicht noch etwas kaufen für heute Abend.

Nachmittags fängt es mal wieder richtig an zu regnen, Hauptsache das hört heute Abend auf. Tut es aber nicht!

 

Dank unserer 15m² großen Markise können wir trocken unsere Fahrräder für die Tour fertig machen, Licht etc. dran.

Die Kleiderfrage für heute Abend muss nicht diskutiert werden, da es draußen mal wieder ausgiebig stürmt und schüttet. Egal, da müssen wir nun durch.

 

Gegen 17:00Uhr rollen drei voll gesogen Schwämme auf ihren Motorräder an, es sind Penny, Gregor und Totto. Sie sind schon zwei Tage im strömenden Regen unterwegs und freuen sich auf unser trocknes Wohnmobil, wo wir ihnen Nachtasyl gewähren. Wir werden ja unterwegs sein.

Die drei sind auf der Durchreise nach Norwegen und besuchen uns für einen Tag.

 

Gegen 19:00 Uhr wird es langsam ernst, unser Gruppenfoto fällt dieses Jahr etwas bunter aus, da ja jeder schon die Regensachen an hat.

   

Ach ja, einer ist nicht mit an den Start gegangen, mit der Ausrede, jetzt haltet euch fest: „Ich bin ein Schönwetterfahrer“. Klar, ich fahre extra 1000km hier hoch nach Schweden um dann nicht zu starten, ich könnte jetzt was sagen, mache ich aber nicht...


Der Start

 

Auf dem Weg zum Start trete ich mit meinem linken Fuß in eine Pfütze, „schön“ denke ich „der Fuß ist schon mal nass“.

Kurz vor dem Start hört es auf zu regnen, so stehen wir wenigstens im trocknen in der Vorsortierung.

Zur Vorsortierung, hier starten ab 20:00 Uhr alle zwei Minuten 60 Leute und ab 01:30Uhr dann alle zwei Minuten 70Leute. Um 05:46Uhr startet die 294ste Gruppe dann als letztes. Meine Startzeit ist 20:30Uhr und Gruppe 16, ein Paar von uns starten auch schon um 20:28Uhr.

Der Startschuss kommt und unsere Gruppe setzt sich auf der regennassen Fahrbahn in Bewegung. Bis zur Stadtgrenze werden wir erst noch von zwei Motorrädern eskortiert, ab da aber kann jeder fahren wie er will.

Da es ja vorher geregnet hat, ist die Straße klitschenass, es spritz einen schön überall hin.

Die ersten Kilometer fährt die Gruppe fast noch zusammen, zieht sich aber schnell auseinander, so dass sich kleinere Grüppchen bilden. Ich bin jetzt mit Ralf recht flott unterwegs. Es schließen sich zwei Schweden an, so dass wir uns immer abwechselnd Windschatten spenden.

 

 

Das erste Depot

 

Bei 43km in Hästholmen ist der erste Verpflegungspunkt, die Schweden wollen zwar dass wir weiterfahren, aber wir entscheiden uns für Pause. Man soll es ja nicht gleich übertreiben, sind ja noch 250km. Da wir auf Manfred warten wollen, trinken wir eine Blaubeersuppe mehr und schon kommen die anderen angeradelt. Ach ja, es ist jetzt mittlerweile schon fast dunkel und geregnet hat es zwischendurch auch mal wieder.

 

Weiter geht’s wieder mit einer größeren Gruppe von uns, das Wetter wird wieder schlechter. Das dumme bei dem Nassen, das Wasser spritzt immer ins Gesicht, für mich als Brillenträger doppelt doof. Einfach Blindflug durch die feuchte Dunkelheit und hoffen das der vor dir nicht bremst.

Um den nächsten Boxenstopp bei 80km zu erreichen, muss man erst noch über das holprige Kopfsteinpflaster in Gränna, nicht gerade angenehm. Die Station liegt oben auf einem Berg und es ist mittlerweile schweinekalt. Wir sehen zu, dass wir weiterkommen.


In einem Waldstück bemerke ich zu spät, das der Rest gar nicht mehr hinter mir ist. Da man sich in Jönköping sowieso wieder trifft, kann ich erstmal alleine weiter, obwohl man nie alleine ist bei soviel Teilnehmern. Für mich mal eine Abwechselung, einfach mal mit irgendwelchen Schweden oder wer weiß was, eine Gruppe bilden, bzw. bei denen Windschatten schnorren.

 

Jönköping

 

Die 29km bis zur größten Würstchenbude am Vätternsee gehen fix rum.

Hier in der Turnhalle in Jönköping gibt es Heißwürstchen und Kartoffelbrei, der übrigens die Konsistenz von Spachtelmasse hat.

Die ersten Tragödien spielen sich ab, manche Leute sind schon kaputt und fahren mit dem Bus zurück nach Motala.

Das ist ja das schöne an der Vätternrundan, hier ist alles super organisiert, der Rücktransport, die Fahrradreparatur, die medizinische Notversorgung und so weiter.       

Nach ein paar Minuten kommen auch die Anderen an, eben essen, trinken, pillern, es geht weiter! Wir sind jetzt zu viert, Manfred, Ralf, Frank und ich.

Als mich letztes Jahr die Kollegen fragten, ob es hier am Vätternsee Berge gibt, habe ich das natürlich verneint, nur ein paar kurze Anstiege am Ende.

An die Anstiege jetzt hier hinter Jönköping kann ich mich gar nicht erinnern, die Anderen sind sich aber sicher: „Die waren schon letztes Jahr hier“.

Na ja, vielleicht liegt das ja auch am Gegenwind.

Locker flockig radeln wir vier dahin und warten eigentlich auf eine Gruppe, an der wir uns ansaugen können. Unterwegs verlieren wir vier uns mal wieder, aber kein Problem in Fagerhult bei 140km und einer Blaubeersuppe stehen wir wieder zusammen.

 

Die Hälfte

 

Die nächsten 38km kommen wir durch Windschattenhopping gut voran und so fliegen wir förmlich nach Hjo ins Depot, natürlich nicht ohne Regen.

Es wird langsam wieder hell, mit langer Dunkelheit haben die es hier oben ja nicht so.

Ich gehe mit Manfred eben schnell Lasagne essen, die anderen beiden wollen draußen warten. Da wir uns erst gar nicht an das tolle warme Klima in der Turnhalle gewöhnen möchten, beeilen wir uns mit der Pause. Ganz der Knaller ist die Lasagne dieses Jahr nicht, aber egal, der Hunger treibt es rein.


Frisch gestärkt geht es weiter. Hey, es sind nur noch etwa 120km, da ist doch Licht am Ende des Tunnels. 

Eine geeignete Gruppe, in der wir uns einklinken können, ist schnell gefunden.

Die 32km bis zum nächsten Depot sind in einer Stunde gegessen und so kommen wir schnell in Karlsborg an. Der Regen traut sich mittlerweile nicht mehr auf die Piste und das ist auch gut so.

Zu Karlsborg: Das Depot liegt direkt am Vätternsee, eine wunderbare Aussicht. Die Blaubeersuppe ist natürlich Pflicht, aber die Milchbrötchen, Salzgurken und Bananenstückchen hängen einen langsam aus den Ohren raus. Ein Stück Kuchen wäre in Sachen Verpflegung nach 210km eine willkommene Abwechselung, aber was nicht ist, ist nicht. 

 

Das tolle ist, jetzt stehen auf den Kilometerangaben am Straßenrand nur noch zweistellige Zahlen, das baut auf. Was aber nicht aufbaut, sind die immer wiederkehrenden kurzen Anstiege. Das ist freilich kein Problem, das geht ja bis zum Ziel so weiter.

 

 

Mittlerweile eine Gruppe zu finden, an der wir uns dranhängen können wird langsam schwierig. Viele scheinen auf Sonntagsausflugsgeschwindigkeit umgestellt zu haben, aber vier Leute ist ja auch schon ein Grüppchen.

Klasse ist natürlich der Prediger, der am Straßenrand via Lautsprecher die Radsportler anfeuert. Was der natürlich sagt, kann keiner verstehen, wer kann schon Schwedisch!

232km sind geschafft und der Verpflegungspunkt heißt Boviken. Wir halten uns hier nicht lange auf, nur mal eben essen und trinken. Weiter geht’s gleich mit einem Anstieg, macht ja nichts, wir haben ja wieder Energie.

Das Wetter ist auf unserer Seite und so strampeln wir Richtung Motala, na ja ein Bisschen ist es ja noch. Uns überholt ein Schnell-Zug, Frank und Ralf versuchen dort mitzuhalten, Manfred und ich bleiben einfach bei unserem Tempo.


40km noch

 

Kurz vor Hammarsundet, an der nördlichen Spitze vom Vätternsee, schlägt die Straße eine andere Richtung ein. Die letzten Jahre hatte man hier auf der lang gezogenen Brücke immer einen fiesen Gegenwind gehabt, dieses Jahr haben wir Glück.

259km sind geschafft und wir treffen die beiden Anderen am Boxenstopp wieder. Wir ziehen unsere Regenjacken aus, die werden nicht mehr gebraucht.

Also mal ehrlich, so langsam könnte die Strapaze zu Ende sein, wo wohl die ganzen anderen Kollegen sind?

Weit hinter uns braut sich schon wieder was zusammen, aber der Regen kriegt uns nicht mehr ein! Wir kommen gut voran und auch den fiesen Berg in Medevi meistern wir glanzvoll. Der Verpflegungspunkt hier bei 279km wird einfach auf der rechten Seite liegengelassen, die letzten 20km schaffen wir auch ohne Stopp.

Letztes Jahr bei etwa 15km vor dem Ziel hatte ich einen Durchhänger, welchen ich mit so einem “Energygel von Squeezy“ bekämpf habe. Man sollte das Zeug nicht erst nehmen wenn es zu spät ist, dieses Jahr habe ich mir einfach vorher schon mal was in den Kopf gedrückt. Die Strategie war richtig, ohne Probleme radeln wir noch.      

Frank will auf den letzten Kilometern Gas machen bis zu Ziel, kann er machen.

Da mich Manfred letztes Jahr so schön übers Ziel gebracht hat, ist es nur selbstverständlich, dass wir wieder zusammen in Motala ankommen. Ralf hängt sich an eine große Gruppe und ist auch weg.

 

Das Ziel

 

Die letzten Kilometer könnten so schön sein, wenn da nicht der schwere Unfall wäre. Anscheinend wurde ein Fahrradfahrer vom Auto überfahren, sah sehr übel aus, Krankenwagen war aber schon da.

Einen Sprint zum Ende hin ersparen wir uns, mit 15min Vorsprung zum letzten Jahr, rollen wir ganz gemütlich nebeneinander über die Ziellinie, es ist 10:10Uhr.

“300km, ein wahnsinniges Gefühl, kann ich nur jedem empfehlen“!

Dann gibt’s noch die Medaille und ein Zielfoto wird auch gemacht.


Am Ziel sagt mir Klausi’s Frau: „Klaus hat noch 70km, der hat gerade angerufen“. Ich bin froh, dass wir schon da sind und freue mich auf eine warme Dusche!

Ein bisschen ausgelutscht fühle ich mich schon und so fahren wir zum Campingplatz zurück.      

 

Frisch Gestärkt und geduscht gehen Ralf und ich zurück in die Stadt, wir wollen doch den anderen Kollegen zujubeln, die noch auf der Piste sind. Kurz nach 12Uhr kommen auch Detti und ein paar Kollegen angerollt, Respekt!

 

Am Nachmittag ist Chillen angesagt und abends sitzen wir dann in der großen Runde mit der ganzen Mannschaft zusammen.

 

Es ist zwar jeder kaputt, aber letztendlich hat es jedem gefallen, auch bei diesem miesen Wetter.

Jeder aus unserer Gruppe hat die 300km geschafft!

Nächstes Jahr ist  besseres Wetter, so ist das bestellt!

 

 

Eine Übernachtung gönnen wir uns bei der Rückfahrt irgendwo in Dänemark, ansonsten, ihr kennt den Weg...

   

 

 

Das war

 

Vätternrundan 2009

 

12.06.09. – 13.06.09

 

 

Fahrzeit incl. Pausen 13h 40min

 

 

Fahre ich 2010 wieder mit? Natürlich!

 

 

“SEE YOU IN MOTALA“

                  

                                                                                              

 

Euer Toms

 

 

 

 

 

Zuletzt aktualisiert am Mittwoch, den 13. Januar 2010 um 21:41 Uhr